Gesundes Gemüse Foto@ JerzyGorecki pixabay.com

Psychosomatik und Ernährungstherapie

„Die Untrennbarkeit von Konstitution, Körper, Psyche und Spiritualität liegt im Wesen der chinesischen Medizin. Sie ist deshalb in besonderer Weise geeignet, einen tiefgreifenden Heilungsprozess in Gang zu setzen, der alle Ebenen des Menschseins anspricht und berücksichtigt. Kürzlich haben wir uns im Seminar „Psychosomatik“, dem ersten Wochenende der Ausbildung zum Ernährungsberater für Fortgeschrittene, das einmalige Konzept der chinesischen Medizin erschlossen.

Jenseits vom kausal-westlichen Ansatz („Herr Meier hat Lungenprobleme, weil er den Tod seiner Frau nicht verarbeitet hat“) bietet der Blickwinkel aus der Qi-Dynamik heraus eine erweiterte Perspektive: In unserem Beispiel kann das für die Trauer zuständige Lungen-Qi seiner natürlichen Energie, in die Tiefe und nach innen zu fließen, nicht folgen – es stagniert. Also muss es sich einen anderen „Kanal“ suchen und lenkt die Energie von der mehr feinstofflichen Ebene der Emotion Trauer auf die eher grobstoffliche körperliche Ebene der Lunge, die beide zum Funktionskreis Metall gehören. In diesem Funktionskreis gibt es auf der analogen Ebene ein identisches Schwingungsverhalten. Trauer und Lunge sind wesensgleicher Ausdruck einer beiden gemeinsam zugrunde liegenden Dimension des Qi, das sich einmal mehr im grobstofflich-körperlichen und einmal mehr im feinstofflich-seelischen Bereich manifestiert. Die beiden sind über ein ausgefeiltes Analogiesystem miteinander verbunden.
„In der chinesischen Medizin und Philosophie macht das Konzept vom Qi aus dem Körper einen beseelten Leib und verleiht der Psyche einen körperlichen Ausdruck. Qi verwirklicht die Einheit des Lebens auf energetischer Ebene. Gleichzeitig weist es über den Menschen hinaus und eröffnet eine tiefgreifende spirituelle Dimension des Heilens.“
So bringt das Asthma von Herrn Meier auf der körperlichen Ebene die Stagnation der Emotion Trauer zum Ausdruck. Kann das stagnierende Qi nun auch auf dieser Ebene nicht wieder zum Fließen gebracht werden, wird es sich im Resonanz-Raum Metall erneut einen Kanal suchen, vielleicht dieses Mal auf einer noch dichteren Schwingungsebene, zum Beispiel in Form einer Depression. Bei diesen Prozessen kommt es zu Bildung und Erhitzung von „Tan“, einer Schleimblockade, welche die energetische Richtung von Lunge und Trauer immer mehr stagnieren lässt. Dahinter könnte auf der spirituelle Ebene des „Po“ eine unbewusste Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit und Verbundensein verbergen, die sich intrapsychisch als depressiver Kummer in Verbindung mit Grübeln ausdrückt.
Es war sehr spannend, diesen Ansatz in unserem Seminar für alle Wandlungsphasen durchzuspielen und sich auch deren Interaktionen zu veranschaulichen. So könnte die blockierte Trauer über Hitze- und Schleimbildung auch die Leber attackieren und Wut auslösen. In diesem Fall läge hinter der Emotion Wut eine tiefe Trauer „auf Halde“, die über die gelebte Trauer aufzulösen wäre.
Es wurde auch deutlich, dass der Spielraum für belastende Schuldgefühle („ich habe nicht „richtig“ getrauert, deshalb habe ich jetzt Asthma“) sich unter diesem Blickwinkel deutlich verringert. Ohne ihm die Verantwortung für seine Krankheit zu nehmen, wird der Klient von Schuldgefühlen entlastet.
Die nächsten 4 Seminar-Wochenenden werden wir in dieser Ausbildung damit verbringen, uns die Hintergründe von Disharmonien mit Hilfe dieser Technik zu erforschen und sie um die Dimension der Ernährungstherapie zu erweitern.
Da sich das Konzept vom Qi auch auf die Ernährung übertragen lässt, würde sich die Stagnations-Symptomatik von *Asthma, Trauer und Depression* aus unserem Fallbeispiel mit Nahrungsmitteln auflösen lassen, die mit der Schwingung des Metall-Elements in Resonanz gehen. Unangemessene – in unserem Fall nicht gelebte – Gefühle führen aus der Sicht der Chinesischen Medizin immer zu einer Verletzung des Herzens, wo alle Emotionen gespürt werden. Überbordende wie auch unausgedrückte und damit stagnierende Emotionen können das Qi angreifen und den Geist verletzen, so dass dieser wiederum das Qi nicht mehr kontrollieren kann.
Der im Herzen „behauste“ Geist Shen verliert dadurch seine Verankerung im Herzblut, über das der Herz-Kaiser sein Reich der 5 Funktionskreise versorgt. Eine Beeinflussung des Geistes kann immer nur indirekt über die Behandlung des Herzens erfolgen. Für die Entstehung des Herzblutes ist der Funktionskreis Verdauung, die „Milz“, von zentraler Bedeutung. Die von ihr in feinstes Gu-Qi umgewandelte Nahrung liefert dem Herzen die Basis für die Umwandlung des Nahrungs-Qi in Blut. Nach diesem psychosomatisch-spirituellen Stoffwechselkonzept ist die feinstoffliche Ebene von Psyche und Geist aufs engste mit der grobstofflichen Ebene der Nahrung verknüpft und somit über diese auch sehr gut zu beeinflussen.
Für die Einwirkung auf die Kette *verdränge Trauer – Asthma – Depression* über die Ernährungstherapie bei unserem Herrn Meier sei hier beispielhaft der Rettich genannt, der mit seiner weißen Farbe das Metall-Element zum Schwingen bringt, mit dem scharfen Geschmack die Schleim -Stagnation auflöst und zur Ausscheidung bringt und dessen starke Wurzelkraft das Lungen-Qi nach unten und innen lenkt. Die scharf-erfrischende Thermik des Rettichs kann die Hitze-Schleim-Stagnationen lösen und die verstopften Bahnen wieder freimachen. Jetzt kann das befreite Lungen-Qi nun das Gefühl von Trauer ermöglichen.
Überraschend viele Nahrungsmittel, die in der TCM empfohlen werden, haben eine schleimauflösende Wirkung. Es ist jedoch ratsam, diese Nahrungsmittel nicht isoliert und konglomeriert, sondern im Rahmen einer für den Klienten angemessenen 5 Elemente Ernährung durchzuführen. Nur so ist zu gewährleisten, dass die Ausscheidung sanft, d.h. in einem für den Klienten angemessenen Maß erfolgt. Die Bildung von Tan kann nämlich auf der grobstofflichen Ebene wichtig sein, um den Geist auf der feinstofflichen Ebene zu schützen. Der erfahrene amerikanische Psychiater Leon Hammer wird nicht müde, diese Schutzfunktion des Körpers in Bezug auf die Seele zu betonen.

In ihrem Artikel in der aktuellen Zeitschrift Qi betont die Oecotrophologin Ruth Rieckmann diese Funktion besonders im Bereich posttraumatischer Belastungsstörungen: „Schleim … kann ein Bewältigungsmechanismus sein, um die Gefühle und Körperempfindungen bei Flashbacks zu verhindern …“ Im Rahmen einer wohldosierten 5 Elemente Ernährung mit einem angemessenen Verhältnis von Ausscheidung und Aufbau werden Ausscheidungs-Reaktionen, die sich sowohl auf der körperlichen, als auch auf der geistig-seelischen Ebene manifestieren können, so erfolgen, dass sie vom Klienten gut getragen werden können. Bei einer zu starken Betonung von ausscheidenden Nahrungsmitteln in der 5 Elemente Ernährungs Therapie besteht die Gefahr, dass mit dem pathogenen Qi auch das wahre Qi ausgeschieden wird .

Auch sollte bei Klienten mit starken seelischen Belastungssyndromen die Ernährung immer von einer entsprechenden Psychotherapie begleitet werden. Für alle Ausscheidungs-Reaktionen gilt: Wenn sie zu heftig sind, sollte vom Ernährungstherapeuten gegengesteuert werden, um den Prozess zu verlangsamen. Das Tempo sollte immer der Klient bestimmen!
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Hier finden Sie außerdem einen Link zu einem von mir im Paracelsus-Magazin veröffentlichten Artikel zum Thema: „Entschlacken mit den 5 Elementen“:

http://www.paracelsus-magazin.de/alle-ausgaben/85-heft-052015/1403-entschlacken-mit-den-5-elementen.html

Hier eine sehr schöne Rezension des „Gesundheitsportals“ zu unserem Buch „Die vegetarische 5-Elemente-Küche“:

http://www.das-gesundheitsportal.com/sites/buechertipps.html